Der Juni rückte näher. Urlaubszeit. Die langen Reisen waren im Kopf schon längere Zeit gestrichen. Nun galt es sich in die Reihe der Camper einzuordnen. Der erste Platz der für länger als drei Tage gebucht war, stand in den Startlöchern. Mit dem Buchen eines Campingplatzes war es in Coronazeiten auch gar nicht so einfach.

Im November letzten Jahren buchten wir einen Platz für 10 Übernachtungen in Thüringen. Es sollte zu den Drei Gleichen gehen. Der Juni rückte näher und die Inzidenzen in Thüringen waren noch um die 200. Das konnte eigentlich nichts werden. Der Urlaub sollte am 7. Juni beginnen, bis dahin sanken die Inzidenzen in Thüringen gerade mal auf das Level v0n 150. Knapp zwei Wochen bevor es losgehen sollte, meldete sich der Campingplatz bei uns und sagte ab. Sollte der Urlaub wie schon im Jahr davor ins Wasser fallen?

Wir begannen mit der Rumtelefoniererei. Es sollte nun ein Platz in Brandenburg werden. Die Inzidenzen lagen günstig, so dass auch Dusch- und Waschräume geöffnet haben sollte. Wir hatten Glück und bekamen 5 Übernachtungen, enen Stellplatz mit Wasseranschluß, Abwasseranschluß und Strom für 36 Euro je Übernachtung. Der Campingplatz Buntspecht lag im Havelland am Ferchesaer See inmitten eines Waldgebietes.

Der Hänger stand abreisefertig auf dem Hof. Alles war bereit. Wir konnten ab 14 Uhr auf den Platz. Wir fuhren gegen 10:30 Uhr los, so hatte man noch ein wenig Reserve falls unterwegs was schiefgehen sollte. Und es ging was schief, sogar gehörig. Unser Navi zeigte uns die schnellste Route, über die A13 dann durch Berlin. Und genau da passierte es. Im Radio hörten wir schon, dass es eine Fahrraddemo auf der Autobahn geben sollte. Wir dachten jedoch wir kommen noch durch. Falsch gedacht. Man sperrte erst die Rechte Spur und dann die linke. Wir zuckelten schon seit einer dreiviertel Stunde so umher, bis der Verkehr von der Autobahn abgelenkt wurde. Vollsperrung und Verkehrschaos und das mit Wohnwagen. Meine Stimmung sank auf den Nullpunkt. Es gab keine Möglichkeit dem Chaos zu entkommen. So trieben wir in dem Knäul noch einmal für eine halbe Stunde vielleicht einen Kilometer umher. Meine Rettung nahte. Ich sah eine Ampel und eventuell die Möglichkeit links abzubiegen und in einer 360° Grad Kehre auf die Autobahn zurückzukehren. Ich wollte in dem Chaos nicht durch Berlin. Es klappte. Ich bekam den Hänger in einem Zug herum. Wir fuhren dann wieder auf die Autobahn nach Potsdam und kamen pünktlich am Campingpark Buntspecht an.

Dort zeigten wir einen negativen Test vor , den wir gestern noch in Cottbus gemacht hatten. Bekamen den Platz und einen Guide der uns zum Platz brachte. Der gesamte Campingpark war noch recht übersichtlich gefüllt. Unser Platz lag nahe der Dauercamper, aber rechts und links und hinter uns alles frei, so hatte ich mit dem Aufstellen auch keine Probleme. De Platz war auch recht eben. So dass der Hänger schnell aus justiert war. Strom angeschlossen, Wasser angeschlossen und den Tank gefüllt. Abwasser angeschlossen, fertig. Fast. Wir legten den Boden aus, das erste mal in meinem Camping Leben. Später beim Abbau stellten wir fest, er lag linksherum. Na egal. Der Boden lag und die Markise hatten wir aus dem Halfter genommen und abgelassen. Nun mussten noch die Stützen ausgestellt werden um die Markise zu stabilisieren. In diesem Moment fing es mörderisch an zu schütten und zu gewittern, die Stützen waren draußen doch wir konnten nicht loslassen. Nach sehr langen 10 Minuten hatte die Markise Stabilität. Nun noch die nagelneuen Sturmbänder von Thule festmachen und dann hatten wir einen Schutz. Tisch und Stühle standen schon, nun konnten wir uns ausruhen und die nassen Klamotten wechseln.

Der Kühlschrank war schon zu Hause eingerichtet, nun lief er schon auf Strom. Als Belohnung gab es erst einmal einen Espresso bevor Frauchen den Kaffee machte. Nun waren wir angekommen. Wäre das Unwetter nicht gekommen, hätten wir keine ganze Stunde für den gesamten Aufbau gebraucht. So dauerte es etwas länger. Aber wir hatten Urlaub, es trieb uns ja keiner.

Ich musste erst einmal Duschen. Der Campingpark Buntspecht hat zwei sehr saubere Wasch- und Toiletten Häuser. Die Duschen waren hier im Platzpreis schon mit inklusive. Da es meine ersten Campingplatzduschen waren, fand ich das schon mal OK. Toiletten und Duschen waren pikobello Sauber und unterschieden sich kaum von sanitären Anlagen in Hotels, nur dass man ein paar Meter zu laufen hatte. Später waren auch die Räder fit, so das der Weg zur Dusche nicht mal eine Minute dauerte.

Neben dem Campingplatz, vielleicht 200-300 Meter lag der Ferchesarer See. Ein Natur See mit recht sauberen Wasser. Der Strand bestand aus einer großen Grünfläche mit einem Sandstrand zum buddeln für die Kleinsten. Die Anlage war sehr gepflegt und sie besaß auch einen extra Hundestrand. Auch den Anglern hatte man ein Eckchen gegönnt. Zudem war ganz in der Nähe ein Bootsanleger. Hier konnte man sich Motor-und Ruderboote ausleihen, was wir auch später gemacht hatten. Zwei Stunden Motorboot kosteten 70 Euro plus 100 Euro Kaution. Da der See recht groß war waren die zwei Stunden auch nicht zu lang bemessen.

Hatte man vom See genug, konnte man mit dem Rad die nahe Umgebung erkunden. Hier fand man Wald und schöne kleine Örtchen, mit Ecken in denen es sich lohnte Rast zu machen. So machten wir einen Abstecher nach Ferchesar und einmal radelten wir nach Semlin. Dort trafen wir wir alte Freunde wieder mit denen wir uns das letzte mal auf Borneo getroffen hatten. Was für ein schöner Zufall. Auch sie konnten es kaum glauben mich unter dem Völkchen der Camper wieder zu treffen. Das werden nicht die letzten sein, die mich mit großen Augen anblicken werden, aber das ist nun einmal meine Wahl. Und das ist auch gut so. Die Tage vergingen wie im Fluge. Es wurde immer heisser. Die letzten zwei Tage wollten wir auch nicht mehr radeln, außer zum duschen.

Fazit: Nun konnte ich schon mal etwas tiefer in das Metier Camping reinriechen. Es machte riesen Spaß. Das Schlafen im Hänger ist wie etwas besonderes, wieso und woran das liegt kann ich nicht sagen. Die ausgedehnten Frühstück Szenarien waren immer etwas ganz besonderes. Es war ganz individuell. Hatte man Lust auf Semmeln, gab es Semmeln. Wollte man Brot, gab es halt Brot. Und so war man immer auf sich selbst gestellt hatte keine Zeiten die man einhalten musste, konnte schlafen solange man wollte und dann für den Rest des Tages auch mal alle vier gerade machen. Genau das hatte ich gesucht. Ich war schon nach kurzer Zeit wie ausgewechselt. An die Arbeit hatte ich keine Gedanken verschwendet. Ich wollte viel lesen und habe fast gar nicht gelesen. Ich wollte viel fotografieren, aber habe fast gar nicht fotografiert. So war das eben. Letzen Endes waren die paar Tage Erholung pur, nicht wie neugeboren, aber dicht dran. Irgendwie schmerzte es auch den Platz zu verlassen. Es war mein Erster und der war Perfekt, das konnte ich nicht wissen aber so ist es gekommen. Und was ich auch nicht wissen konnte war, ich sollte den Platz wiedersehen, schon in ein paar Tagen.

So machten wir es wie die Nomaden, wir brachen unsere Zelte ab und es ging weiter zum nächsten Platz. Übrigens dauerte diese Abbau nur knappe 50 Minuten. Ich werde besser.

Fotos aus der Umgebung